Bald „fremd im eigenen Land?“ Extreme Rechte sprechen von einer Überfremdung Deutschlands, welche bereits im Jahr 2030 zu einer prozentualen Mehrheit gegenüber den „Bio-Deutschen“ führt.

Richtig ist, der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung ist seit den 1970er Jahren moderat angestiegen. In tatsächlichen Zahlen aber bedeutet dies einen Ausländeranteil im Jahr 1976 von 6,5% bis zum Jahr 2015 von stabilen 9%. Realistisch verzeichnen wir demnach in einem Zeitraum von fast 40 Jahren einen Anstieg des Ausländeranteils an der Gesamtbevölkerung von 2,5%. Unterstellen wir jetzt einfach mal, dass der Zuwachs an Ausländern aufgrund der Fluchtbewegungen um das doppelte ansteigt und keine Abwanderung stattfindet, wären wir im Jahr 2395 mit 51% tatsächlich eine Minderheit im eigenen Land. Da wir aber nach Adam Ries eine Bevölkerungsstatistik nicht ohne Theorien der Fertilität zur Geburtenzahl, der Migration zur Aus- und Einwanderung und der Mortalität zur Sterblichkeitsrate berechnen können, wird es mit der prozentualen Überfremdung wohl doch erst was im Jahr 2600. Die rechtsextreme Szene produziert populistisch und massenpsychologisch niederträchtig eine reale Gefährdungswahrnehmung aufgrund apokalyptischer Gefährdungsbilder.

Kamer[ad] – Thesen als Denkanstoß zu rechtsradikaler Argumentation

Als ehemalige Extremisten waren Radikalisierung und Rekrutierung unser vorrangig missionarisches Ziel. Ethnische, politische und moralische Negativerzählungen mit apokalyptischer Begleitmusik waren dabei die Grundlagen zur Festigung einer scheinbar alternativlosen Ideologie des
völkischen Nationalismus. Alle diese Argumentationen sind jedoch ohne weltanschaulich-ideologische Denkschablonen einfach zu widerlegen. In 18
Thesen möchten wir nach außen hin für einen sorgsameren Umgang mit rechtsextremen Argumentationen sensibilisieren sowie auch in die Szene
hinein den notwendigen Anstoß zum Hinterfragen von radikalen und extremistischen Werten und Normen geben.