Sehr geehrter Herr Baum,

Bei einem Mann wie Gerhart Baum weiß man nicht, wo man anfangen soll, um seine Verdienste für die Gesellschaft auch nur annähernd zu beschreiben, seine Ämter aufzuzählen und seine Leitungen abzubilden. Es wäre eine lange Liste und dennoch würde sie ihm nicht gerecht werden. Wir versuchen es dennoch.

Gerhart Baum, Bundesminister von 1972 bis 1994 und Mitglied des Deutschen Bundestags, ist Rechtsanwalt, Publizist, Bürger- und Menschenrechtler.

Gerhart Baum war für die UNO tätig und befasste sich als Bundestagsabgeordneter mit Bürgerrechten, Umweltschutz und Kulturpolitik.
Heute ist er in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen tätig und nimmt zu Tagesgeschehen und zu den grundlegenden Fragen der Entwicklung der Demokratie Stellung, wie jüngst zur Debatte um die deutsche Leitkultur. Unabhängig davon, ob pro oder kontra, immer sind die Beiträge von einer jeweiligen profunden Wesenschau des Humanen und Freiheitlichen und auch in der Sache treffsicheren Argumenten geprägt.

Gerhart Baum prägt Politik und Geschichte aus einer Generation heraus, die den II. Weltkrieg und das Hitlerreich erlebte und nach dem Niedergang ein neues Deutschland aufbaute – ohne Nazismus, Diktatur und Krieg und in einem Geist von menschlicher Werthaltigkeit und Freiheit – eine Aufgabe, die politisch, wirtschaftlich und geistig-kulturell höchst unterschiedlich angegangen und gemeistert wurde. Auch heutige gilt es wieder, angesichts der vielen Probleme in und mit der Demokratie, für ihre Sicherung und Entwicklung nicht nur als Ordnung, sondern auch als funktionierender Rechtsstaat und Alltagsgut – als demokratische Kultur – zu streiten. Dies ist erforderlich und dieser Aufgabe hat sich Gerhart Baum immer verschrieben.
Neben den vielen Ehrungen, die Gerhart Baum erfahren hat, kommt nun eine vergleichsweise kleine Auszeichnung hinzu, vielleicht sogar die Kleinste, die uns aber und allen damit in Verbindung Stehenden sehr wichtig ist:

Gerhart Baum wird EXIT-Deutschland Botschafter 2017. Damit danken wir ihm für die vielen Jahre, in denen er in besonderem Maße mit der Initiative EXIT-Deutschland verbunden ist.
Gerhart Baum hat uns auf diesem Weg stets in besonderer Weise begleitet und unterstützt, denn immer war Gerhart Baum mit den Fragen des Extremismus als Angriff auf die menschlichen Grundwerte und demokratische Kultur befasst, als Bundesinnenminister ebenso wie heute, einer Zeit neuer und anwachsender Bedrohung durch die verschiedenen extremistischen Kräfte. Ich denke, die Auseinandersetzung mit der Roten Armeefraktion und anderen Linksextremisten sowie mit dem zeitgleichen Rechtsterrorismus, der heute ausschließlich mit dem NSU verbunden wird, aber viele Vorläufer und Vorbilder hatte und auch dort staatliche Behörden eine nicht selten problematische Rolle einnahmen, wie das Beispiel Oktoberfestattentat zeigt.

In der Auseinandersetzung mit dem Extremismus suchte er nie die Lösung im Exzess oder im Ausnahmezustand, sondern war stetig ein Mann der Besonnenheit und Angemessenheit, zugleich der Konsequenz und der Vermittlung da, wo dies möglich erschien. Und er setzte auf die Kraft der Demokraten, politisch und im Alltag.

Diese differenzierende und auf den inneren Frieden der Demokratie und wertegebundene Freiheitlichkeit gerichtete Haltung, ohne Duldung von ideologischem Hass und Gewalt, ist für alle Mitstreitenden von EXIT-Deutschland ein Vorbild.

Einem ehemaligen Feind auch die Hand reichen zu können, ihn in die Gestaltung der Demokratie mitzunehmen und dies nicht nur, wenn es die taktische Lage erfordert. Darin unterscheidet sich Gerhart Baum von vielen ehemaligen und gegenwärtigen Politikerinnen und Politikern.

Gerhart Baum geht es um jeden Menschen, der sich an der Freiheit, Würde und Gleichwertigkeit orientiert, auch um jene, die das vormals in Abrede gestellt haben und es heute – aus gutem Grund – besser wissen.
Und damit möchte ich Gerhart Baum nun mit der Auszeichnung zum EXIT-Botschafter von Herzen danken.

Dr. Bernd Wagner