Von Diogenes

Blick auf das große fließende Ganze aus einer kleinen, in sich
geschlossenen, nach außen abgeschotteten Parzelle.
Während die da draußen“ im breiten Strom des Lebens ihre
Erfahrungen ungetrübt machen, dümpeln wir in unserem
Sperrbezirk vor uns hin, geben Losungen aus, schicken
unsere Erfüllungsgehilfen, die zu uns aufschauen, herum und
gefallen uns immer mehr in unserer selbst gestrickten Rolle
als „Stimme der Unterdrückten“. Wir begreifen nicht, dass
wir uns selbst eine Käseglocke übergestülpt haben, wir
agitieren, doch man hört uns nicht, die Leute bleiben
manchmal stehen, klopfen an das Glas, doch sie sehen
bestenfalls nur unsere Lippenbewegungen. Keiner da zum
Nachsynchronisieren! Wir, die sich selbst eingezäunt haben,
wollen denen außerhalb erklären, dass sie sich von
Unterdrückung du Unfreiheit befreien müssen.
Führen wir vielleicht, ohne dass es uns bewusst wird,
Selbstgespräche? Sind wir vielleicht die eigentlichen
Empfänger unserer Botschaft? Falsch adressiert kommt
sie nie an, stellen wie den Nachsendeantrag!

Das Leben ist ein Luxusdampfer, wir schippern in unserer
völlig überfüllten Nussschale im Ozean unserer negativen
Gefühlswelten und versuchen wild gestikulierend auf uns
aufmerksam zu machen. Der Dampfer fährt an uns vorbei
und nicht durch unser Bötchen und das, obwohl wir ihn
anvisiert haben.

Reif für die Insel!

Das Foto ist im Rahmen der Ausstellung Lebensbilder entstanden. Die Fotograf war mehrere Jahrzehnte in der militanten, rechtsextremen Szene aktiv.