Aufrechte Deutsche, Patrioten des Abendlandes, besorgte Bürger. Die Stimme des Volkes?

Schaut man als ehemaliger Extremist in die damals eigenen Reihen so ergeben sich fragwürdige Synonyme für Begriffe wie aufrecht, patriotisch und besorgt. Unser antiuniversalistisches Menschenbild mit der ablehnenden Grundhaltung gegenüber Fremden war unmissverständlich die Forderung der ethnischen Säuberung. Es ging nie gegen Missstände in Politik und Gesellschaft sondern um einen klaren wirtschaftlichen und sozialen Protektionismus, welcher sich in verweigerter Empathie sowie Ansiedlungs- und Integrationsverhinderung ausdrückte. Ganz normale menschliche Rechte und Bedürfnisse, wie z.B. Essensgewohnheiten, Erscheinungsbilder und multikulturelle Erfahrungen führten  auf einmal zu rassistischer-kultureller Distanzlosigkeit. Eine vormals noch als konsumorientiert und kapitalistisch deklarierte Ellenbogengesellschaft wurde plötzlich wieder als „Volkskörper“ angesehen, den man vor Schwächung schützen müsse. Eine Masse aus Arbeiterschaft, Mittelstand und sozialem Rand mit Bildungsferne sah sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner vereint zum Schutze von tradierten und gesunden Verhaltenswerten und Moralbildern. All das ist noch gegensätzlicher als christliches Abendland und Islamismus.

Keiner möchte als Rechtsextremist betitelt werden, bedient sich aber genau der Rhetorik dessen.

Pegida- und Rechtsextreme Thesen beinhalten zum Teil die gleiche Forderung nach sozialer, ökonomischer, kultureller, rechtlicher und politischer Ungleichbehandlung von Fremden und „Anderen“. Teile von Anhängern beider Gruppen akzeptieren in ihrer nationalistischen Selbstübersteigerung klar Gewalt als Handlungsform. Was hinten bei rauskommt ist eine sich ausbreitende mit Abwertung verbundene Wahrnehmung von Ungleichheit zwischen Menschen. Aus zum Teil berechtigter Besorgnis und der Stimme des Volkes anfänglich wurde durch Okkupierung und Manipulation extremistischer Strömungen und Organisationen eine neue Anhängerschaft des extremen völkischen Nationalismus.

Kamer[ad] – Thesen als Denkanstoß zu rechtsradikaler Argumentation

Als ehemalige Extremisten waren Radikalisierung und Rekrutierung unser vorrangig missionarisches Ziel. Ethnische, politische und moralische Negativerzählungen mit apokalyptischer Begleitmusik waren dabei die Grundlagen zur Festigung einer scheinbar alternativlosen Ideologie des völkischen Nationalismus. Alle diese Argumentationen sind jedoch ohne weltanschaulich-ideologische Denkschablonen einfach zu widerlegen. In 18 Thesen möchten wir nach außen hin für einen sorgsameren Umgang mit rechtsextremen Argumentationen sensibilisieren sowie auch in die Szene hinein den notwendigen Anstoß zum Hinterfragen von radikalen und extremistischen Werten und Normen geben.