Einsicht
(Diogenes)

Die Motoren sind erkaltet,
das Antriebsöl schon stark veraltet.
Die Getriebe stehen still,
weil mein Innerstes es will!

Ich schaffte den Spagat
vom Starkstromaggregat.
In mir loderte ein Feuer,
dass mir bald selbst nicht mehr geheuer.
Doch brauchte es noch manche Jahre,
dann lag das Dogma auf der Bahre.

Was einst geschehen als Motiv,
hängt lange schon im Winde schief,
ist verrottet und verschlissen:
die Weitsicht hat es weggerissen!

Kein Verstellen mehr, kein Vertun,
kein Agitieren als Kleinsttribun.
Keinen Starkstrom mehr im Blut,
hier ist die Freiheit mein Tribut.

Die mir eröffnet hat den Blick,
hier saß mir ständig im Genick,
die Stimme, die mir früher riet:
“Bewahre dein Herz als Kampfgebiet!”

Dieses ist nun aufgerollt,
genauso hatte ich´s gewollt.
Die Jahre die so leicht verschwanden,
versenkt in Extremistenbanden,
wie könnte ich sie heut´ gebrauchen,
hör´ ich mein Gewissen fauchen.

Doch wie auch gekommen wär,
es war Richtung und primär,
wäre hier noch anzumerken;
Erkennet sie an ihren Werken!

Doch das nichts umsonst geschieht,
habe ich den Hasskredit,
den ich einst auf mein Konto nahm,
Komplett getilgt, mit Zins und Scham!

Was jetzt noch an Erfahrung bleibt,
ist das, was mich noch immer treibt;
die Botschaft, die in mir gebar:

“Einsicht ist für alle da!”