Von Diogenes

Unter Kameraden zu sein bedeutete auch immer,
sich Stück um Stück, Tag für Tag und Jahr für Jahr zu verbiegen.
Immer auf der Hut zu sein, bloß keine Schwäche zeigen,
auf dass man nicht im Rudel zerrissen wird.
Im Krieg zu sein heißt auch, sich zwangsweise zu entmenschlichen.
Keine Antenne für die „Spießer da draußen“ zu haben,
ihre Art zu leben einfach nicht verstehen zu können – und zu wollen.
Diesevon daher automatisch als „Anpassung“ abzutun.

Man kann in einer angespannten Situation enorm über sich hinauswachsen,
nur kommt es immer darauf an, welches Ziel man verfolgt
und wofür man seine Energie einsetzt.
Das erkennt man leider erst dann, wenn man „vom Netz genommen“ wurde.
Der Mensch verfügt über eine ganze Menge innerer Stromkreise,
aber wenn die Kabel durchschmoren, muss man sich selbst zur Reparatur bringen.
Wenn man schon bei Kleinigkeiten volle Granate an die Decke geht,
anderen Menschen ständig irgendwelche Vor-Haltungen macht
und Meinungsverschiedenheiten mitkörperlichen Angriffen beantwortet,
sollte man ein „Hochexplosiv!“ –Stirntattoo tragen.

Vom Netz genommen ist es ausnahmsweise mal ein positiver Gewaltakt,
die Energiereserven in die richtige Kanäle umzuleiten – in echte Freiheit und freie Entfaltung.

Das Foto ist im Rahmen der Ausstellung Lebensbilder entstanden. Die Fotograf war mehrere Jahrzehnte in der militanten, rechtsextremen Szene aktiv.