Von Maik

Eines haben alle Formen des Extremismus gemein. Sie definieren den Menschen gemäß ihrer Ideologie, Weltanschauung oder nach Auslegung ihres Glaubens über Wert und Unwert. Für Abweichler, Zweifler oder gar Abtrünnige gilt eine klare Deklaration, welche sich zeitgleich der persönlichen Ausstoßung des Einzelnen, zur absolut gültigen Doktrin für die verbleibende Gemeinschaft zementiert. Extremistisch ausgelegte Religionen und Sekten deklarieren den Wert eines Menschen dann als Ungläubigen, die Glaubensgemeinschaft des politischen Extremismus nutzt den Begriff „Verräter“ als Stigma.

Das Mal des Verrates haftet so ziemlich jedem Aussteiger an, insbesondere dem politischen. Dieser Begriff wirkt nach innen und außen. Niemand will ein Verräter sein, schon gar nicht wenn seine wertlichen Leitlinien aus Ehre und Treue bestehen. Der Zweifler im Inneren schluckt den Zweifel herunter und geißelt sich selbst. Der Abtrünnige gerät in eine Identitätskrise und verliert unter Umständen seine charakterliche Reputation in der Gesellschaft. Es gilt nicht nur für den Aussteiger sondern auch für die Gesellschaft, sich mit diesem Totschlag-Wort auseinanderzusetzen, will man am Ende nicht zum Opfer bzw. Handlanger des Extremismus werden.

Ich habe dies getan und festgestellt, dass diese Deklaration gerade dann weder logischen noch moralischen Bestand haben kann, wenn die Gegenspieler des Verrats, nämlich Loyalität, Glaube und Gewissen selbst aus der Perfidität heraus entstanden und in eine geistige Abhängigkeit führten. Jede Form des Extremismus erschleicht sich somit in niederträchtiger Art und Weise das Vertrauen seiner Anhänger u.a. mittels Täuschung, Manipulation und dem Spielen auf der emotionalen Klaviatur derer, welche nach Lösungen und Antworten suchen. Der Verrat bedingt also klar der Perfidität. Hat diese Niedertracht jedoch beim vermeintlich Verratenen selbst ihren Ursprung so macht es den Verrat obsolet und wird zur geistigen Befreiung auf Grundlage von Vernunft und freiheitlicher Entwicklung.

Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!

Innerhalb der politisch extremen Szene gilt der Grundsatz; Wer nicht für uns ist, ist gegen uns! Dem halte ich entgegen; Nein, ich bin nicht gegen Euch! Ich bin jedoch nicht mehr für die Lösungen und Antworten derer, die Euch mittels einer falsch ausgelegten Weltanschauung im geistigen Zwang halten und ich bin gegen all das, was ihr dadurch seid und tut…. Was ich war und tat! Der vernünftig denkende Mensch kann eine politische Haltung haben und diese darf durchaus oppositionell bis hin zu revolutionär sein. Die Vernunft des Denkens schließt dabei aber Hass und Hetze ebenso aus wie Populismus und politisches Marketing, welches ausschließlich strategisch in Programmatik und Erscheinungsbild vorgibt, dem momentanen Bedarf zu entsprechen.

Wer aus diesem perfiden Konstrukt aussteigt ist kein Verräter. Er begeht keinen Geheimnisverrat, weil dies auf den Heimlichkeiten hinter der Fassade ruht. Wer Aussteiger, die zu Andersdenkenden wurden zur `persona non grata‘ ausruft oder seine eigene Angst vorm Hinterfragen mit der Schutzbehauptung; Verrat verschleiert, ist weder Freund noch Kamerad, Genosse oder Glaubensbruder…. Er ist lediglich Bestandteil eines ehemals gleichen Abhängigkeitsverhältnisses mit dem Extremismus.

Politisches Engagement bedeutet heute für mich: Informieren, tolerieren aber auch differenzieren.

Extremismus hingegen bedeutet: Rekrutieren, Radikalisieren und dienlich auszunutzen.

Extremismus kann man nicht verraten, nur überwinden!